Pforzheim | Beitrag der Redaktion | 31. Januar 2026
Persönlichkeiten aus Pforzheim: Sascha & Monika Giese von unverpackt Pforzheim

Persönlichkeit des Monats Januar sind Sascha und Monika Geiser von unverpackt Pforzheim. Mit ihrem unverpackt-Laden setzen sie sich für Nachhaltigkeit, Regionalität und bewussten Konsum ein. Warum Müllvermeidung für sie mehr als nur ein Trend ist und wie sie mit ihrem Konzept einen Ort für Austausch und gemeinsames Umdenken geschaffen haben, erzählen sie im Interview.

Was war für euch persönlich der ausschlaggebende Moment, an dem ihr beschlossen habt, mit „unverpackt“ aktiv etwas gegen Müll und Ressourcenverschwendung zu unternehmen?

Der Punkt war um Weihnachten 2017 herum als ich nach zwei Bandscheibenvorfällen einen neuen Job wollte. Da sich ein nachhaltigerer Lebensstil mehr und mehr in unserem Leben abzeichnete. Monika sich über viele Alternativen beim Einkauf informiert hat und wir Unverpackt-Läden gut fanden. Haben wir uns überlegt das es schön wäre in der Nähe so einkaufen zu können. Daher haben wir im Januar 2018 den Unverpackt Kiel (einen der Pioniere) besucht und beschlossen im Oktober 2018 in Pforzheim zu eröffnen.

Viele Menschen möchten nachhaltiger leben, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Welche kleinen Veränderungen im Alltag haben aus eurer Sicht die größte Wirkung?

Der erste Schritt dafür ist der Schwierigste: sich mit seinem Konsumverhalten auseinander setzen, alle Lebensbereiche anzuschauen und sich zu überlegen wo fällt es mir am einfachsten Abstriche zu machen. Zum Beispiel: Kein Wasser in Kunststoffflaschen zu kaufen sondern in der Glas-Mehrwegkiste. Oder keine Kaffee-Pads oder Kapseln zu benutzen und teuren Kaffee in Verpackung (=Müll) zu kaufen sondern auf French-Press umzusteigen, denn da bleibt nur das Kaffeepulver übrig und ein Wasserkocher ist vermutlich im Haushalt schon da. Jeder kann großes Bewirken in dem er kleine machbare Schritte geht und diese in den Alltag integriert.

Euer Laden steht nicht nur für verpackungsfreies Einkaufen, sondern auch für bewussten Konsum. Wie verändert sich das Verhältnis der Kundinnen und Kunden zu Lebensmitteln, wenn sie sich Zeit nehmen und genau die Menge einkaufen, die sie brauchen?

Sie werden auch in anderen Lebensbereichen bewusster und konsumieren generell weniger. Wenn konsumiert wird dann oft vor Ort und in der Menge wie sie es benötigen. Es wird mehr ausprobiert und die Vielfalt der Gerichte wird dadurch größer. Auch fördert der Laden den Austausch der Kund:innen über Rezepte, Ideen und Praxistipps die Veränderung im Kochen, im Genießen, im Verhalten bewirken. Vor allem ist der „Lerneffekt“, das weniger Müll in die eigenen Tonnen kommt, somit diese seltener geleert wird und somit wiederum Geld gespart wird. Somit tut man der Umwelt , sich und seiner Familie wie dem Geldbeutel Gutes.

Welche Herausforderungen begegnen euch im Alltag als unverpackt-Laden – sowohl wirtschaftlich als auch im Umgang mit Gewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten?

Nun wirtschaftlich treffen uns die gleichen Themen wie alle anderen kleinen Inhaber geführten Unternehmen auch. Wohingegen wir eine persönliche Beziehung zu den meisten Stammkund:innen aufbauen konnten und wir einen besonderen Flair beim Einkaufen bieten. Die Herausforderungen im Alltag sind bei uns in Sachen Sauberkeit und der einhergehenden Hygiene bestimmt um einiges höher und werden auch von uns wie von unserer Kundschaft gefordert. Wir Menschen sind „Gewohnheitstiere“ und hier etwas zu verändern kostet Zeit und Kraft. Da können wir von uns selbst ausgehen und überlegen wie lange wir benötigen etwas Neues in den Alltag zu integrieren. Daher freuen wir uns wenn Menschen regelmäßig kommen und im Laufe der Zeit von wenigen auf mehrere Produkte beim Einkauf wachsen. Das Hilft der Kund:in, das hilft uns, das hilft vielen regionalen Erzeugern, das hilft Pforzheim und dem Enzkreis, dadurch Dir und dem Wichtigsten: der Umwelt (wir haben nur Eine, wie auch die Gesundheit).

Wenn ihr einen Wunsch für die Zukunft von Pforzheim in Sachen Nachhaltigkeit frei hättet: Was müsste sich aus eurer Sicht in den nächsten Jahren unbedingt verändern?

Ein Wunsch für Pforzheim ist natürlich wenig 😊. Wir würden uns die Vision Pforzheim 2030 wünschen. Diese beinhaltet: 1. Ein Verbot von Einwegverpackung für Lebensmittel inkl. Getränke  2. Das To Go Getränk/Essen ist teurer als vor Ort, denn Essen und Trinken in Gesellschaft stützt unser soziales Miteinander 3. Pforzheim belohnt jeden mit einer Umweltprämie, der weniger Leerungen seines Mülls hat als im Vorjahr (wenn er nicht im Wald entsorgt wurde) 4. Auf jeder Veranstaltung gibt es nur Essen und Trinken in Mehrweg, also Weihnachtsmarkt, Stadtfest etc. 5. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen werden durch Senkung der Steuern begünstigt. 6. In Pforzheim wird das Schulfach: Nachhaltig leben und was dazu gehört! Eingeführt. 7. Offizielle Veranstaltungen der Stadt und deren Angestellten werden nachhaltig ausgerichtet. Also mal darüber nachgedacht ob zum Neujahrsempfang (nur als Beispiel) 100 Kerzen brennen müssen oder ob es auch die Hälfte oder keine tut und wenn Kerzen brennen wo kommen diese her aus welchem Material, fair produziert, hier aus der Region etc. Also ein Umdenken mit Dran denken.

Vielen Dank Sascha und Monika für dieses bereichernde Gespräch!